Behinderung
Menschen mit Behinderungen in der Schweiz: Die Lebenslagen der Bezügerinnen und Bezüger von Leistungen der Invalidenversicherung
Daniel Gredig/Heinrich Zwicky/Sabine Deringer/Melanie Hirtz/Roman Page
Ausgangslage:
Der Bestand an gesichertem Wissen zur faktischen Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen in der Schweiz ist derzeit sehr gering. Wie die sekundärstatistische Analyse der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2001 sowie der Schweizerischen Gesundheitsbefragungen der Jahre 1992/93 und 1997 zeigt, erlauben die bisher vorliegenden Daten lediglich sehr bruchstückhafte und äusserst limitierte Aussagen zur Lebenslage von Menschen mit Behinderungen (PDF)
Zielsetzung:
Ziel dieses Projekts war es deshalb, ein angemessenes Instrument zur Berichterstattung zur Lebenslage von Menschen mit Behinderungen in der Schweiz zu entwickeln und in einer ersten Untersuchung der Lebenslage von Bezügerinnen und Bezügern von Leistungen der Invalidenversicherung zu erproben. Die dabei ermittelten Fakten zur Lebenslage dieses Teils der Menschen mit Behinderungen in der Schweiz sollen der Politik, der Verwaltung, den Professionellen im Feld wie auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Forschungsfragen:
Um diese Ziele zu erreichen, ging die Untersuchung den Fragen nach,
1. zu welchen Dimensionen der Lebenslage von Menschen mit Behinderungen in anderen Ländern Europas und in den USA gesicherte Erkenntnisse vorliegen;
2. welche Aspekte der Lebenswelt aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen die Dimensionen ihrer Lebenslage darstellen, die für sie subjektiv relevant sind;
3. wie sich die Lebenslagen von Bezügerinnen und Bezügern von Leistungen der Invalidenversicherung in der Schweiz unter Berücksichtigung der makro- und mikroperspektivisch relevanten Dimensionen darstellt.
Methode/Zeitplan:
Das Projekt dauerte 2 1/2 Jahre (Januar 2002 bis Juni 2004) und war in zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase wurden zwei Voruntersuchungen durchgeführt. Erstens wurde ein systematisches review der Forschung zur Lebenslage von Menschen mit Behinderungen in Europa und Nordamerika erstellt. Dabei wurden auch erprobte Erhebungsinstrumente zur Erfassung von einzelnen Dimensionen der Lebenslage von Menschen mit Behinderungen ermittelt, die in der Hauptuntersuchung genutzt werden könnten. Zweitens wurden in einer qualitativen Untersuchung mittels problemzentrierter Interviews die Dimensionen erarbeitet, die für die Lebenslage aus der Sicht der Betroffenen relevant sind. Die Stichprobe der qualitativen Untersuchung wurde mittels theoretischem Sampling zusammengestellt. Die Auswertung wurde anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt.
In der zweiten Phase wurde die Hauptuntersuchung in Form einer Querschnittstudie an einer Zufallsstichprobe von Leistungsbezügern und Leistungsbezügerinnen der Schweizerischen Invalidenversicherung in Form einer schriftlichen Befragung durchgeführt. Der schriftliche Fragebogen wurde an 2500 Bezügerinnen und Bezüger einer IV-Rente und 2500 Bezügerinnen und Bezüger individueller Massnahmen erstmalig angewendet. Der hohe Rücklauf von 42% ermöglichte es, von 2008 Bezügerinnen und Bezüger von Leistungen der Schweizerischen Invalidenversicherung die Lebenslage zu rekonstruieren.
Mit Hilfe einer ersten Clusteranalyse konnten für die Bezügerinnen und Bezüger von Leistungen der IV fünf trennscharfe Lebenslagen gebildet werden. Dabei zeigte sich, dass sich die Bezügerinnen und Bezüger von IV-Renten hinsichtlich ihrer Lebenslage von den Bezügerinnen und Bezügern individueller Massnahmen deutlich unterscheiden. Daher wurden mit diesen beiden Teilstichproben in einem nächsten Schritt eine je eigene Clusteranalyse durchgeführt. Dabei konnten für die Bezügerinnen und Bezüger von IV-Renten fünf, für die Bezügerinnen und Bezüger individueller Massnahmen vier trennscharfe Lebenslagen identifiziert werden.
Ausführliche Ergebnisse sind dem Schlussbericht zu entnehmen.