Joseph Kony – Invisible Children Video und kritische Betrachtung
Viele Facebook-Nutzer sind diese Woche auf einen Link mit dem Titel “Kony 2012″ gestoßen.
Das Video, das am 5. März auf YouTube hochgeladen wurde, erzählt die Geschichte der persönlichen Mission des Filmemachers Jason Russell, den ugandischen Anführer der Guerillagruppe Lords Resistance Army (LRA) Joseph Kony zur Strecke zu bringen.
Der von der Non-Profit-Gemeinschaft “Invisible Children” produzierte Film hat alle Elemente eines starken viralen Videos: Helden und Schurken, Herz, Sinn und ein Aufruf zum Handeln (die Filmemacher nutzen auch effektiv die Facebook Timeline, um die Geschichte wiederzugeben). In weniger als einer Woche wurde das Video über 26,6 Mio. Mal angeklickt…zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikel über 80 Millionen mal, aber es hat auch Kontroversen ausgelöst.
Invisible Children ist dafür kritisiert worden, mehr Ressourcen für das Anklagen und das Filmemachen aufzuwenden als für die tatsächliche humanitäre Arbeit. Laut Charity Navigator liegt die Transparenz von Invisible Children bei einer Punktzahl von gerade einmal 45 von 100. Im Vergleich dazu haben ähnlich gelagerte Organisationen wie Africare und AMREF USA Punktzahlen von 70 bzw. 67. Invisible Children erklärte dies damit, dass die Organisation nur vier unabhängige stimmberechtigte Mitglieder in ihrem Vorstand habe. Wohltätigkeitsorganistionen mit weniger als fünf unabhängigen stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern bekommen 15 Punkte bei der Punktzahl für Transparenz abgezogen.
Als Antwort auf die Kritiker veröffentlichte Invisible Children diese Aussage auf der eigenen Website:
“Der Jahresabschluss von Invisible Children ist online für jedermann zu sehen. Die Abschlüsse der letzten 5 Jahre stehen unter invisiblechildren.com/financials zur Verfügung. Die Organisation wendete 80,46% für unsere Missions-Programme auf, 16,24% für die Verwaltungs- und Management-Kosten und 3,22% für direkte Spenden im Geschäftsjahr 2011. Invisible Children wird jedes Jahr von unabhängigen Stellen geprüft.”
Kritiker bemängeln auch, dass das Video von Invisible Children ein Problem vereinfacht darstellt, dessen Lösung komplexer ist als nur durch die Beseitigung von Kony aus Uganda. Neben anderen Organisationen wie der Resolve Campaign und GuluWalk wird Invisible Children Tatsachenmanipulation vorgeworfen. Das Magazin Foreign Affairs schrieb im November 2011:
“In ihren Kampagnen haben solche Organisationen Fakten für strategische Zwecke manipuliert, das Ausmaß der Entführungen und Morde durch die LRA übertrieben und den Einsatz der LRA von unschuldigen Kindern als Soldaten betont; und Kony – zweifelsfrei ein brutaler Mann – als einzigartig schrecklich dargestellt, eine Kurtz-ähnliche Verkörperung des Bösen. Nur selten beziehen sie sich auf die ugandischen Gräueltaten oder die der sudanesischen Volksbefreiungsarmee, wie etwa Angriffe gegen Zivilisten oder Plünderungen von Privathäusern und Geschäften, oder die komplizierte regionale Politik, die den Konflikt schürt.”
Die Kritiker scheinen nicht den Altruismus der Mission von Invisible Children anzuzweifeln, sie sind mehr mit den Folgen beschäftigt, nachdem die Leute das Video gesehen haben.
“Eine Konsequenz, egal ob es [Invisible Children] oder Save Darfur ist, sind eine Menge gefährlich schlecht vorbereiteter Jugendliche, die sich dafür einsetzen, die Kinder von diesem oder jenem Kriegsgebiet zu retten”, sagt Chris Blattman, Professor für Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Universität von Yale. “Im besten Falle ist es anmaßend und egozentrisch. Öfter aber führt es zu schlechten Programmen, fehlgeleiteten Ressourcen und schlecht konzipierten militärischen Abenteuern.”
Invisible Children gab zu, das Problem vereinfacht dargestellt zu haben und räumte ein, dass der Film als Einstieg in die Thematik gedacht war.
“In unserem Bestreben, eine breite öffentliche Unterstützung voll nuancierter Politik zu mobilisieren, hat Invisible Children versucht, den Konflikt in einer leicht verständlichen Form zu erklären, mit Schwerpunkt auf die Verletzung elementarster Menschenrechte durch die LRA-Führung. In einem 30-minütigen Film gehen jedoch freilich viele Nuancen des 26-jährigen Konflikts verloren oder werden übersehen”, sagte die Gruppe in einer Erklärung.
Letztlich möchte Invisible Children die Debatte aufschieben, so dass auch weiterhin das Bewusstsein über Kony und die LRA erhöht wird, bei Kritikern und Verbündeten gleichermaßen.
“Konzentrieren wir uns auf die wichtigen Dinge und worin wir alle übereinstimmen: Joseph Kony muss gestoppt werden. Und wenn das geschieht, ist der Frieden die Grenze”, erklärten die Organisatoren.
Quellen:
cbsnews.com
http://www.kony2012.com/
http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-03/kony-2012-invisible-children-kritik
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