zeckenimpfungIm Sommer nimmt das Risiko von Zeckenbissen exponentiell zu, und mit ihr die Gefahr sich mit dem Borreliose-Erreger zu infizieren. Obwohl in Deutschland jährlich etwa 800.000 Menschen allein an Borreliose erkranken, wird die Gefahr nach wie vor stark unterschätzt. Diese Zahl ist mindestens mit dem Faktor zwei zu multiplizieren, da ungefähr jeder 5 Patient in der Erstinfektion lediglich eine Sommergrippe ohne Wanderröte hat. Je nach Region sind hierzulande 3 bis 25% der Bevölkerung von einer Zecke gebissen worden. Eine bundesweit repräsentative Studie zeigt, dass der von Zecken übertragene Lyme-Borreliose gerade auch unter Kinder und Jugendlichen weit verbreitet ist. Bereits 7% der Jugendlichen im Alter zwischen 14- und 17-Jahren wurden mindestens einmal von einer infizierten Zecke gebissen. Da jede zweite Zecke mit Borrelien infiziert ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion im Anschluss an einen Zeckenbiss sehr hoch.

Borrelien sind allerdings keineswegs die einzigen Bakterien, die von Zecken übertragen werden. Weil die kleinen Parasiten voller Erreger sind, haben es Forschungsinstitute längst mir Mischinfektionen zu tun. Eine aktuelle Studie fand rund 120 verschiedene Erreger. So tragen einige der insgesamt 900 Zeckenarten die relativ unbekannten Rickettsien mit sich. In Süddeutschland können etwa 0,1 bis 5% der Zecken Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Wie in den USA üblich, müssten streng genommen auch hierzulande Warnschilder aufgestellt werden, die die Menschen fern von hohem Gras oder Bäumen halten. Aber nicht nur Spaziergänge durchs hohe Gras oder am Waldrand stellen einen Risikofaktor dar. So sind in besonderem Maße auch Personen mit Haustieren gefährdet, da Letztere die Parasiten oftmals mit sich herum schleppen. Das Vorbeugen mit geschlossenem Schuhwerk, Zeckenspray und langer Kleidung ist empfehlenswert, stellt allerdings keinen hundertprozentigen Schutz dar.

Nicht selten wird der Zeckenbiss vom Betroffenen gar nicht bemerkt. Zumal der um die Bissstelle markante rote Fleck mit blasser Mitte lediglich in 50% aller Verdachtsfälle auftritt. Eine Borreliose-Infektion geht oft mit neuropathischen Symptomen einher. Nur wenige Tage nach dem Biss treten grippeähnliche Symptome wie leichte Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Kopfschmerzen auf. Anschließend folgt ein leichtes Fieber von bis zu 38 Grad C. Bei einer Infektion mit FSME steigt das Fieber sogar wesentlich höher. Eine unerkannte Borreliose kann mit der Zeit das Nervensystem sowie das Herz schädigen. Hat sich eine Zecke festgesaugt, sollte sie innerhalb kürzester Zeit entfernt werden, da die Bakterien erst zwölf bis 24 Stunden nach dem Biss auf den Menschen übergehen. Am einfachsten lässt sich der Parasit mit einer Zeckenschlinge oder Pinzette von der Hautoberfläche lösen. Sie sollte auf keinen Fall zerquetscht werden, da ansonsten zusätzliche Erreger in den Körper dringen könnten. Ist ein Stück abgebrochen, sollte der restliche Teil von einem Arzt entfernt werden.

Ist eine Zeckenimpfung sinnvoll?

Auf die Frage, ob eine Zeckenimpfung sinnvoll ist, gibt es keine pauchale Antwort. Durch eine Zeckenimpfung sollten sich insbesondere diejenigen schützen, die in einem Risikogebiet leben oder dorthin reisen möchten. Dies ist allerdings nur gegen FSME möglich, nicht jedoch gegen Borreliose. Hierbei wird der Impfstoff in die Muskulatur injiziert. Die gesamte Immunisierung sieht drei Impftermine vor. Ein bis drei Monaten nach der ersten wird die zweite Dosis verabreicht. Für die dritte Dosis muss der Patient weitere neun bis zwölf Monate vergehen lassen. Vollständig erreicht wird der Impfschutz zwar bereits mit der zweiten Injektion, wobei die Impfung allerdings nur nach der dritten Injektion mindestens drei Jahre hält. Danach erfolgt bis zum 50. Lebensjahr eine Auffrischung im 5-Jahres-Rythmus. Ab dann sollte diese alle 3 Jahre vorgenommen werden. Basis dieser Impfung sind abgestorbene FSME-Erreger, welche nicht mehr vermehrungsfähig sind. Eine weitere Impfmöglichkeit ist das Kurzzeitschema, bei der die Impfung innerhalb von 21 Tagen abgeschlossen ist. So kann die Immunität etwa für eine kurzfristige Reise aufgebaut werden. Die Behandlung einer Borreliose ist dagegen lediglich mit Antibiotika möglich.

Eine Zeckenimpfung kann grundsätzlich mit Nebenwirkungen einhergehen. So kann es an der Impfstelle zu einer Schwellung kommen. Auch Übermüdung und Fieber sind möglich. Diese Nebenwirkungen sind allerdings nicht weiter verwunderlich, zumal der Körper im ersten Augenblick durch die Zugabe der abgeschwächten Erreger erkrankt. Aber erst auf diesem Weg kann der Organismus Antikörper und somit eine Immunität aufbauen. Schwangere sollten sich der Zeckenimpfung erst im letzten Drittel der Schwangerschaft unterziehen. Eine Abstimmung mit der Frauenärztin ist empfehlenswert. Die Kosten für eine FSME-Impfung für Menschen in Risikogebieten werden von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen bezahlen die Impfung auch als Reiseimpfung.

Quellen:
http://www.zeckenimpfung.org/kosten.php
http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/vorsorge/risiko/krank-durch-zeckenbiss-jedes-14-kind-mit-borreliose-infiziert_aid_735360.html
http://ratgeber.t-online.de/was-sie-unbedingt-ueber-zecken-wissen-sollten/id_49432698/index
http://www.hpamann.de/pageZ.html
http://lifestyle.t-online.de/borreliose-alle-haben-die-zecken-unterschaetzt-/id_46320950/index
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